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Die Wohnung des Gartenmeisters

Gartenmeisterwohnung am Berggarten Herrenhausen von 1817 bis 1820. Später wurde das Gebäude als Bibliothekspavillon benutzt. Im Jahre 1992 fand eine aufwendige Restaurierung des Gebäudes statt.

Der Bibliothekspavillon – von 1832 bis 1936 Standort der Dienst- und Forschungsbibliothek der hannoverschen Hofgärten – symbolisiert in idealer Weise die Verbindung von Architektur und Gartenkunst, Botanik und gartenhistorischer Forschung.

Das Gebäude wurde 1817-20 nach einem Entwurf des hannoverschen Hofbaumeisters Georg Ludwig Friedrich Laves (1788-1864) als Gartenmeisterwohnung mit einem Belvedere für die königliche Familie errichtet. Laves platzierte das Gebäude auf einem leicht erhöhten Standpunkt am südlichen Rand des Berggartens als optischen Zielpunkt der bereits 1726/27 gepflanzten Herrenhäuser Allee, wodurch es gleichsam zum Wahrzeichen der Herrenhäuser Gärten wurde.

Laves-Bau

Der Laves-Bau von 1817 wurde in den Flügeln ursprünglich als Wohngebäude für Gärtner konzipiert, der Rundbau sollte ein Aufenthaltsbereich für Gäste und Besucher der Herrenhäuser Gärten sein. Laves Gebäudeentwurf steht in der Tradition der französischen Revolutionsarchitektur. Es war sein erster öffentlicher Auftrag. Zur Rekonstruktion des ursprünglichen Zustandes sind in der Literatur nur Grundrisszeichnungen zu finden.

Kuppelraum des Laves-Bau 1852

Im Jahr 1852 richtete man den Kuppelraum als Gartenbibliothek mit Herbariensammlung ein. Zu diesem Zweck wurden Bücherregale und Schränke angefertigt, die sich in die repräsentative Gestaltung der Rotunde einfügten. Den Grundstock der Königlichen Gartenbibliothek bildete die bereits 1832 aus Privatbesitz erworbene Büchersammlung des Garteninspektors Johann Christoph Wendland (1755-1828), der die Herrenhäuser Gärten durch seine Publikationen über die Pflanzensammlung international bekannt gemacht hatte. Die Dienstbibliothek stand allen hannoverschen Hofgärtnern zur Verfügung und war auf Antrag auch externen Fachleuten zugänglich. In erster Linie nutzten sie die auf Botanik spezialisierten Hofgärtner Heinrich Ludolph Wendland (1792-1869) und sein Sohn und Nachfolger Hermann Wendland (1825-1903) für die Betreuung der Pflanzensammlung des Berggartens, ihre Forschungen und Publikationen.

Bei der Erwerbung des Großen Gartens und des Berggartens durch die Stadt Hannover blieb die Gartenbibliothek im Privatbesitz des einstigen Herrscherhauses und wurde von ihrem Standort entfernt. Im „Bibliothekspavillon“ befindet sich seither die Verwaltung der Herrenhäuser Gärten.

Seit der Erwerbung durch die öffentliche Hand im Jahr 2007 ist die Sammlung „Königliche Gartenbibliothek Herrenhausen“ auf drei wissenschaftliche Bibliotheken in Frankfurt, Weimar und Hannover verteilt. Ein gemeinsamer Katalog der Gartenbibliothek kann im Bereich Gartenbibliotheken durchsucht werden.

Der Kuppelraum des Bibliothekspavillons

„Das Obergeschoß des Rundbaues zeigt außen zwölf Pilastervorlagen jonischer Ordnung, zwischen denen rundbogige Lichtöffnungen eingelassen sind; eine kupfergedeckte, ehemals vergoldete Segmentkuppel auf drei Stufen bildet den Abschluß“. Der zentrale Raum unter der Kuppel hat eine „korinthische Säulenordnung: Schäfte und Fries sind porphyrrot, Basen, Kapitelle, Architrave, Kranzgesims und die kassettierte Kuppel weiß; die Wandflächen von gelbem Marmorstuck. Der Holzfußboden zeigt dunkel- und hellbraunes Plattenmuster und Mittelstern aus Nussbaum- und Ahornholz.“ (Arnold Nöldeke: Die Kunstdenkmäler der Stadt Hannover, Teil 2, Hannover 1932, S. 77)